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Das törichte CC ist nicht totzukriegen

Immer noch bekommt man Mails mit hunderten Adressen im CC. Es wäre leicht zu vermeiden – die richtige Variante ist ein schneller Newsletter.

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Prinzipiell finde ich es in Ordnung, wenn mich Menschen per E-Mail über ihr Leben auf dem Laufenden halten, selbst wenn ich sie ewig nicht gesehen habe oder mich sogar kaum noch an sie erinnern kann. Jemand wechselt den Job, macht ein Sabbatical, wandert aus, hat geheiratet. Aha, denke ich, na ja… alles Gute. Zwar hatte ich nicht gerade aktiv überlegt, was Du als nächstes machen könntest, aber immerhin weiss ich jetzt Bescheid. (Ich habe das Gefühl, dass Männer dieses Mitteilungsbedürfnis öfter ausleben als Frauen, habe es aber nicht ausgezählt.)

Das Dumme daran: Mit erstaunlicher Regelmässigkeit über die letzten 20+ Jahre schlagen jedes Jahr ein paar dieser laienhaften Newsletter auf, bei dem alle Empfängerinnen und Empfänger im To-Feld oder im CC-Feld der Mail stehen, so dass jeder und jede alle anderen sehen kann – der Absender schickt quasi eine Kopie seines gesamten Adressbuchs an alle Mitglieder desselben. Mit dem Antwort-an-alle-Button kann zudem jede*r der gesamten Liste antworten, was oft zu absurden Mailwechseln an alle führt: «Hey, kennst du etwa nicht den Unterschied?!?» – «Bitte nicht an alle antworten!!» – «Hilfe, hört sofort auf damit!» etc.

Natürlich beteiligen sich auch KMU gern an diesem Dilettantismus. Die Rekordmail, die ich bekommen habe, stammt von einem Blumenladen, und enthielt 972 Adressen im CC-Feld. Der Absender entschuldigte sich drei Stunden später: «Leider ist uns bei der Informationsmail ein Missgeschick passiert und wir haben die Mailadressen versehentlich nicht ins Bcc sondern ins Cc gesetzt.»

Vier Dinge, die mich daran faszinieren

1. Wieso ist das nicht totzukriegen?

Wir mailen nun seit rund 30 Jahren, und die Unterscheidung zwischen CC und BCC ist wirklich keine Rocket Science. Wieso wollen viele Leute so etwas vergleichsweise Triviales einfach nicht verstehen? Natürlich passieren auch immer mal wieder Fehler in der analogen Kommunikation, aber hier habe ich manchmal das Gefühl, dass einige Menschen einfach das Denken einstellen und sich weigern dazuzulernen, nach dem Motto: «Mit dem Computer stehe ich auf Kriegsfuss, und das wird sich auch nie ändern.»

2. Es passiert nicht nur den Kleinen.

Wenn bei der Einladung zum 50. Geburtstag die Gästeliste offengelegt wird, kann das ja sogar noch ganz praktisch sein («Oh, Klaus-Dieter ist auch eingeladen – dann gehen wir besser nicht.») Es gibt aber auch grössere, professionelle Organisationen, denen das passiert, und dann wird es nicht nur peinlich, sondern auch juristisch relevant. Vor einigen Jahren schickte eine Klinik in London eine Mail mit 780 Patienten im CC, von denen die meisten HIV-positiv waren, und wurde dafür mit einer Busse von 180'000 Britischen Pfund belegt. Das Muster wiederholte sich letztes Jahr, als die Adressen von 90 Opfern von Kindesmissbrauch geteilt wurden, und auch die Busse fiel ähnlich drastisch aus: 200'000 Pfund.

3. Es wäre so einfach – Variante quick & dirty.

Der einfachste Pfad, den vermutlich die meisten Massen-Sender auch nehmen wollten, bevor sie von ihm abgekommen sind, wäre es, alle Empfänger-Adressen ins BCC-Feld («Blindkopie») zu nehmen. State of the Art ist das bei weitem nicht, und es lässt viele Möglichkeiten ungenutzt, siehe unten – aber wenigstens nicht peinlich.

4. Es wäre so einfach – die gute Lösung.

Die Profi-Variante ist es, schnell einen Newsletter-Verteiler aufzusetzen – auch wenn es nur für die private Rundmail ist. Diese hat zahlreiche Vorteile, unter anderem umfassende Statistik-Funktionen über geöffnete Mails und Klicks, die Möglichkeit, gezielt bei den Nicht-Öffnern nachzufassen etc. Die meisten modernen Newsletter-Systeme haben inzwischen eine Funktion, mit der man Adressen aus diversen anderen Tools importieren kann. Ich habe das soeben mit dem Marktführer Mailchimp und meinem privaten Gmail-Account ausprobiert, und es hat keine zehn Minuten gedauert, bis ich meine 188 meistfrequentierten Kontakte als Liste in Mailchimp hatte. Für bis zu 2000 Kontakte ist Mailchimp sogar gratis.

Fazit: eLiteracy ist ein komisches Ding

Es ist und bleibt mir ein Rätsel, wieso intelligente Menschen, die vermutlich in vielen anderen Bereichen ihres Lebens laufend dazulernen, bei solchen einfachen technischen Dingen einen blinden Fleck haben und ihn offensichtlich auch immer behalten.

Leseempfehlungen zum Thema

Die seit letztem Jahr aktive Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) der EU führt zu einer Verschärfung des vermeintlichen Bagatelldelikts «Alle auf CC», auch wenn die Bussen hier mit 2600 Euro geringer war als in den Fällen in England, aber doch schmerzhaft.

Haben wir nicht gemacht. War aber eine lustige Idee.

Es ist wirklich nicht schwierig, Kontakte von Gmail bzw. konkreter Google Contacts zu Mailchimp zu importieren, man muss nicht mal exportieren und importieren, sondern nur die beiden Systeme verbinden, und Mailchimp führt einen Schritt für Schritt durch den Prozess.

 

Tags: Kommunikation, Digitale Kommunikation