Facebook hört Sprachnachrichten mit? Was bleibt ist das Schulterzucken

Reto Vogt Reto Vogt on 24. August 2019 12:00:00 MESZ

Wie reagiert die Mehrheit, wenn Unternehmen zugeben, regelmässig Sprachnachrichten abzuhören und abtippen zu lassen? Meistens bleibt's beim ¯\_(ツ)_/¯ .

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Bild: Rund sechs Jahre alte Karikatur von Felix Schaad.

Zwei Dinge passieren gefühlt immer öfter:

  • Irgendjemand widerspricht in meiner Timeline den AGB von Facebook.
  • Irgendein Unternehmen verliert Kundendaten oder ein anderes belauscht seine Kunden.

Weil beides so häufig vorkommt, bin ich mittlerweile recht abgestumpft, und reagiere, wenn überhaupt, nur noch mit lapidarem Schulterzucken. In etwa wie die Schülerin in obiger Karikatur von Felix Schaad.

«Die Wolke bringt Datenschutzprobleme.» Tjanu. Tatsächlich ist die Situation nicht so dramatisch, wie sie gemacht wird. Meine Reaktion gilt deshalb nicht nur meinen Kontakten, die fälschlicherweise denken, dass sie ein zehnzeiliges Posting vor sämtlichen «Internetgefahren» schützt; sondern auch den Plattformen.

Aber wieso kümmern mich Nachrichten nicht mehr, dass Facebook ein externes Unternehmen damit beauftragt haben soll, übermittelte Sprachnachrichten abzuhören und abzutippen?

Erstens das Wissen, dass selbst die Löschung meines Facebook-Kontos und der Austritt bei WhatsApp sowie Instagram wenig nützen würden, um meine Daten künftig geheimzuhalten – zum Beispiel weil Websites mit Facebook-Pixel alle User tracken oder ein Freund meine Handynummer bei Facebook hochgeladen hat. Zweitens die Gewissheit, dass selbst Bussen in Höhe von fünf Milliarden Dollar, wie sie die US-Konsumentenschutzbehörde Facebook auferlegte, nichts am Umgang mit Kundendaten ändern.

Nebst dem gebüssten Unternehmen haben auch Amazon, Apple, Google und Microsoft eingeräumt, Nachrichten abgehört und abgetippt zu haben – nach eigenen Angaben, um zu prüfen, ob die jeweilige Software die Spracheingaben der Nutzer*innen richtig verstanden hatte.

Das ist vermutlich nicht mal gelogen, wie sonst sollen die Unternehmen ihre Dienste verbessern? Doch vor allem Facebook und Google verdienen Ihr Geld in erster Linie damit, Kundendaten zu sammeln, zu interpretieren und zur Ausspielung von Werbung zu nutzen. Ob sie das Gesprochene tatsächlich nicht auch dafür einsetzen? Das ist zumindest zu bezweifeln.

Vor dem Datenschutzproblem ist also nach dem Datenschutzproblem. Was können wir tun? Drei Dinge:

  • Die guten Seiten von Social Media nutzen und geniessen, denn die gibts bei achtsamer Nutzung zweifelsohne.
  • Bei Politik und Behörden auf Einhaltung von Datenschutzgesetzen pochen.
  • Dazu stehen, dass man manche Dinge nicht weiss und nicht ändern kann: ¯\_(ツ)_/¯

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Facebook hat gegen die 5-Milliarden-Busse keinen Einspruch erhoben, sondern gezahlt. Die Gegenleistung: Der US-Konsumentenschutz stellt die Ermittlungen ein. Ein guter Deal – für das soziale Netzwerk.

Vom Abhören von Gesprächen bis hin zum Gedankenlesen ists ein weiter Schritt. Klar scheint aber, dass Facebook diesen gehen will. Der Konzern unterstützt entsprechende Forschungen finanziell, Auswirkungen unbekannt.

Ein schlaues Essay darüber, wie wir als Gesellschaft mit digitalen Ängsten umgehen können – und was Eisenbahngesellschaften aus dem 19. Jahrhundert damit zu tun haben.

 

Topics: Social Media, Internet