Was hinter der Bitcoin-Betrugsmasche mit DJ Bobo und Roger Federer steckt – und warum niemand etwas dagegen tun kann

Reto Vogt Reto Vogt on 10. August 2019 12:00:00 MESZ

Wenn Prominente online für schnelles Geld werben, ist Vorsicht geboten. Betrüger fälschen Interviews und Websites, um Geld abzuzocken.

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Gefälschtes Interview auf gefälschter Website (Bild: Screenshot).

Roger Federer, DJ Bobo, Roger Schawinski, Kurt Aeschbacher, Thomas Gottschalk: Seit nunmehr Wochen machen die Stars auf allen Social-Media-Kanälen scheinbar Werbung fürs schnelle Geld mit Bitcoin.

Natürlich sind sie es nicht selbst: Betrüger legen den prominenten Opfern Zitate in den Mund und publizieren erfundene Interviews auf gefälschten Websites, die wie jene des Blicks oder von Bluewin, SRF oder Spiegel Online aussehen. Innerhalb der Artikel sind Links platziert, die auf ein Krypto-Handelsportal führen.

Es ist nur eine weitere Abzockmethode

Das Ziel: Geld abzocken. Wer auf den Betrug reinfällt und das Formular auf dem genannten Portal ausfüllt, erhält pausenlose Anrufe von «Kundenberatern», die auf Geldeinzahlungen per Kreditkarte drängen. Und zwar so häufig und offenbar so freundlich und überzeugend, dass dies naive Menschen tatsächlich tun – und, natürlich! – ihr Geld verlieren.

Ist das neu? Jein. Online-Betrug ist so alt wie das Internet selbst. Das Versprechen nach schnellem Geld ist (zu?) verlockend. Ich selbst kenne zwar niemanden, der in der Vergangenheit darauf reingefallen ist, und beispielsweise 10'000 Franken als Vorschuss überwiesen hat, weil wahlweise ein grosses Erbe oder ein Lottogewinn versprochen worden ist. Und dennoch: Der Aufwand muss sich für die Betrüger lohnen, sonst würden sie diesen nicht auf sich nehmen.

Betrüger wechseln von E-Mail zu Social Media

Neu ist hingegen, dass die Betrüger nicht auf E-Mail, sondern Social Media als Vertriebskanal setzen, und die Verletzung von Persönlichkeitsrechten von Prominenten (mit mutmasslich starker Anwaltschaft im Rücken) in Kauf nehmen. Das zeigt die drei Hauptprobleme des Social-Media-Bitcoin-Betrugs:

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  • Facebook, Instagram und Twitter sind als Betreiber der Plattformen scheinbar machtlos (oder ihr Interesse ist zu gering, da sie damit wie mit allen anderen Anzeigen Geld verdienen), um die ständig wechselnden Absender der gesponsorten Beiträge zu identifizieren und zu blockieren. Und für jede doch gesperrte Seite tauchen innert Minuten zwei neue auf.
  • Werbung für Fake-Interviews erscheint auch ausserhalb der Social-Media-Kanäle, und zwar via Werbenetzwerk auf seriösen Newsseiten wie zum Beispiel «Watson». Das macht die Erkennung des Betrugsversuch für wenig Versierte noch schwieriger.
  • Die prominenten und die finanziell geschädigten Opfer können auf dem Rechtsweg nichts ausrichten. Betrüger verstecken sich hinter verzweigten Servernetzwerken im Ausland und lassen sich nicht identifizieren. Herausgeber der Kreditkarten berufen sich indes auf die Sorgfaltspflicht und ersetzen den Schaden höchstens aus Kulanz.

Was also tun? Skeptisch bleiben und sich bewusst machen, dass sich Online-Betrug inzwischen nicht mehr nur auf E-Mails beschränkt, sondern überall anzutreffen ist. Obwohl Prominente als Zugpferde sehr gut funktionieren, haben es Roger Federer & Co. wohl nicht nötig, für obskure Dienste zu werben. In diesem Zusammenhang finde ich folgendes berühmte Internet-Meme sehr passend:

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Topics: Digitale Kommunikation, Internet