Wikipedia auf Speed – die Newsletter «Quartz Obsessions»

Peter Hogenkamp Peter Hogenkamp on 29. April 2019 08:58:20 MESZ

Die Demokratie sei «die schlechteste Staatsform – abgesehen von allen anderen». Ähnlich wie beim Newsletter.

mail-1048452_1280

Die Demokratie sei «die schlechteste Staatsform – abgesehen von allen anderen», scherzte Winston Churchill im britischen Parlament am 11. November 1947, notabene an meinem Geburtstag, wenn auch 21 Jahre vor mir. Doch keine Sorge, nun folgt nichts über den Brexit, sondern ein gewagter Vergleich: Ähnlich wie mit der Demokratie ist es auch mit dem E-Mail-Newsletter.

Seit Jahren finden ihn viele angestaubt, er ist technisch nicht auf der Höhe (Newsletter-HTML ist etwa so wie Web-HTML vor 20 Jahren, wobei Google gerade versucht, das zu ändern), nach dem Versand kann man ihn nicht mehr aktualisieren, weshalb er oft schon hoffnungslos veraltet ist, bevor man ihn öffnet – doch trotz alledem hat er in den letzten Jahren eine enorme Renaissance erlebt.

Das liegt einerseits daran, dass bisher niemand etwas wirklich Besseres erfunden hat. Andererseits sind die Newsletter inhaltlich viel intelligenter geworden. Waren sie einst (und sind es natürlich oft immer noch) lediglich eine eher uninspirierte Aneinanderreihung von einigen Links, hat insbesondere ein Absender den Newsletter quasi zu einer eigenen Kunstform erhoben.

Die New Yorker Team von «Quartz», einem Spin-Off des US-Magazins «The Atlantic», verschickt täglich einen monothematischen Newsletter. Von «ABBA» bis «Zippers», also Reissverschlüssen, war schon alles dabei. Bemerkenswert sind die formale wie inhaltliche Reichhaltigkeit und Originalität, die tollen Animationen und die interaktiven Elemente. Die Texte sind zwar gespickt sind mit Dutzenden von Links, man ist aber keineswegs gezwungen, auch nur einen einzigen davon anzuklicken. Die Quartz Obsessions sind wie ein liebevoll gestalteter Wikipedia-Eintrag auf Speed – im vermeintlich altbackenen E-Mail-Format.

Hier finden Sie die bis September 2017 zurückreichende Liste der Themen. Und weil Quartz die Meta-Ebene mag, wurden auch schon zwei Ausgaben zu den Themen E-Mail und Obsessions publiziert.

In den letzten Jahren sind auch diverse gute neue deutschsprachige Newsletter entstanden. Deren Macherinnen und Macher zitieren oft die «Quartz Obsessions» als Inspiration, auch wenn uns das Original bisher unerreicht scheint. (Oder kennen Sie etwas ähnlich Tolles? Wir reichen es gern nach.)

Für uns bei Scope ist es Ehrensache, dass auch die «Roadmap» unserer eigenen B2B-Software demnächst die Erstellung eines «Quartz-inspirierten» Newsletters ermöglichen wird. Denn das Sammeln, Verwalten und Verarbeiten von Links schafft in der internen und externen Kommunikation einen grossen Mehrwert, der auch für kleinere Teams möglich sein sollte.

Zurück zu uns. Heute melden wir uns nach rund einem Jahr Pause zurück und verschicken fortan regelmässig einen eigenen eigenen Newsletter. Unser neuer Head of Content, Reto Vogt, den ich nach einem Monat schon nicht mehr missen möchte, und ich, werden uns abwechselnd zu Themen rund um digitale Kommunikation Gedanken machen und diese mit Ihnen teilen.

Sie wollen auch auf den Verteiler? Dann melden Sie sich jetzt an

Topics: Newsletter und E-Mail, Scope-Newsletter Peter