Nach 3 Wochen im Homeoffice: 5 Fragen und 5 Antworten

Reto Vogt Reto Vogt on 6. April 2020 11:58:50 MESZ

Zu Hause ist es doch am schönsten – ist das auch nach drei Wochen im Homeoffice noch so?

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Als ich vor drei Wochen ins Homeoffice zügelte, hatte ich noch nicht mal einen Schreibtisch. Heute bin ich gefühlt schon ein alter Hase, was das Arbeiten von zu Hause angeht. Viel schneller gedacht gewöhnte ich mich daran, nicht mehr täglich von Winterthur nach Zürich zu fahren, meine Kolleg*innen nur noch virtuell statt persönlich zu treffen und mir beim Zmittag vom Vierjährigen den Kartoffelstock vom Teller klauen zu lassen.

 

In dieser, sich irgendwie wie eine kleine Ewigkeit anfühlende Zeit, beantworteten sich viele meiner anfänglichen Fragen automatisch:

 

Was ist mit den Kindern? Die Kita ist offen, und solange das so bleibt, gehen unsere beiden Jungs dorthin. Homeoffice mit ihnen ist eher «Home» als «Office» und kommt für mich deshalb nur im Notfall in Frage. Sind sie zu Hause, nehmen sie meistens Rücksicht auf die geschlossene Tür, und wenn nicht, dann ist das halb so schlimm. In meinem anderen Newsletter, zu den Themen Familie und Zusammenleben, gibt's nebst lesenswerten Geschichten aus aktuellem Anlass jeden Montag kuratierte Tipps dazu.


Wie produktiv bin ich? Diesbezüglich stelle ich keinen Unterschied zum herkömmlichen Büro fest. Es gibt weiterhin gute und sehr gute Tage, aber auch weniger gute. Viel wichtiger als der Standort des Schreibtischs ist die Person, die daran sitzt – also ich selbst. Ich bin nicht jeden Tag gleich kreativ, kann mich nicht immer gleich gut konzentrieren und habe entsprechend nicht immer den gleichen «Output». Allerdings halte ich das für menschlich und nicht für eine Frage des Arbeitsplatzes. Was mir hilft, sind regelmässige Pausen und ein 20-minütiger Spaziergang nach dem Mittagessen.


Und die Technik? Seit ich vor gut einem Jahr bei Scope angefangen habe, arbeite ich komplett in der Cloud. Auch Videokonferenzen waren immer schon alltäglich, etwa jeden Morgen für den Austausch zwischen unseren Teams in Zürich und Belgrad. Anders als Kolleg*innen aus anderen Branchen konnte ich also immer schon den Laptop aufklappen und überall loslegen. Was lediglich anfänglich für Probleme sorgte, war das schwache WiFi-Signal. Ich habe mein Büro im Kinderschlafzimmer eingerichtet, der am weitesten vom Router entfernte Ort unserer Wohnung, was zunächst in lahmen 3 Mbit/s resultierte. Geholfen hat ein mit Google WiFi gebautes Mesh-Netz, das nun an gleicher Stelle für ein Tempo von durchschnittlich rund 200 Mbit/s (s. unten links) sorgt. 


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Was ist mit dem persönlichen Kontakt? Der fehlt definitiv. Aber wir haben als Ersatz für den Austausch den Slackchannel #kaffeeküche eröffnet, in dem einerseits über Corona und die Welt geplappert wird, aber wir uns andererseits auch regelmässig für virtuelle Zoom-Kaffeepausen verabreden. Für mich ist es enorm wertvoll, meine Bürogspändli auch ausserhalb des geschäftsrelevanten Kontexts zu sehen (s. oben rechts) und zu hören. Einfach um zu hören, wie es ihnen geht, was sie beschäftigt und womit sie sich nebst Arbeit die Zeit um die Ohren schlagen. In einem Interview bei spiegel.de betonte der Soziologe Armin Nassehi, wie wichtig auch diese eher losen Kontakte sind, und «wie sehr die Sorge im Nahraum und der zerstreute moderne Alltag voneinander abhängig sind». Ich bin froh, dass wir diese Kontakte im Scope-Team weiter pflegen. 


Trennung von Beruf und Freizeit? So bequem Homeoffice ist (Jogginghose!), und so sehr ich die zusätzliche Zeit mit der Familie geniesse, ebenso sehr freue ich mich wieder aufs Büro und den 45-minütigen Weg dorthin. Denn das, was ich beim Pendeln mache, fehlt im Homeoffice: Die Zeit fürs Podcast hören und für mein allerliebstes Handygame «Headball 2». Darüber hinaus fällt mir die Abgrenzung zwischen Arbeit und Freizeit noch schwerer als ohnehin schon, weil sich beides in den selben 4,5 Räumen abspielt. (Immerhin stechen mir, anders als meiner ebenfalls im Homeoffice arbeitenden Frau, Staub und Unordnung nicht so sehr ins Auge.)


Homeoffice forever!? Verleidet ist mir Homeoffice bislang noch nicht. Wir als Familie haben uns gut mit der neuen Situation arrangiert, die Kinder wohl sogar angefreundet. Trotzdem darf sich die Corona-Situation gerne wieder entspannen: Nicht weil ich nicht gerne zu Hause wäre, sondern weil ich auch gerne im Büro bin.

 

Leseempfehlungen zum Thema:

 

Eine sehr lustige, weil entlarvende Statistik: Walmart vermeldet steigende Umsätze für Oberteile und Hemden, aber sinkende für Hosen. In Zeiten von Videokonferenzen, in denen jeweils nur die Oberkörper der Teilnehmenden zu sehen sind, verwundert mich das indes wenig. (Englischer Artikel)

Für viele ist Homeoffice eine ungewohnte Situation. Vor allem, wenn auch die Kinder noch zu Hause sind. Am Beispiel der Familie eines «Kassensturz»-Redaktors erklärt die Professorin für Arbeitspsychologie, Petra Schmid, wie Betroffene mit der Situation richtig umgehen.

Um die Arbeit im Homeoffice zu erleichtern, hat «inside digital» eine Liste mit vorübergehend kostenlosen Anwendungen für das Homeoffice erstellt, darunter welche von Google und Microsoft.

Sascha Lobo hat Recht: «Es ist ein Privileg, bei sicherem Gehalt Homeoffice betreiben zu können und ebenso die Möglichkeit, "Social Distancing" ohne Begleitschäden durchziehen zu können.»

 

Topics: In eigener Sache, Digitale Kommunikation